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Männer wie Frauen müssen weg vom Rollendenken

1. Mai 2007

COBURG - Am 2. März 2008 sind Kommunalwahlen. Die aktuellen Gremien in Stadt und Landkreis Coburg sind überwiegend Männerrunden. Zahlen wie aus längst vergangen geglaubten Zeiten: 17 Kommunen, keine einzige Bürgermeisterin. 17 Stadt- und Gemeinderäte mit insgesamt 296 gewählten Mitgliedern, darunter nur 40 Mandatsträgerinnen.

60 Personen gehören dem Kreistag an, gerade einmal neun von ihnen sind weiblich. Eine Bestandsaufnahme: Woran liegt das? Ein Blick in die Zukunft: Wie kann sich dieses Missverhältnis ändern? Eine Motivationsrunde: Welche Beweggründe führen Frauen in die Kommunalpolitik? Eine Vision: Was können sie hier bewirken?

Warum sind im Landkreis Coburg so wenige Frauen in den kommunalen Gremien vertreten?

Brigitte Mönch: Wir leben in einer sehr konservativen Gegend. Zu mir wurde als Kind noch gesagt: "Du heiratest ja sowieso. Wozu willst du denn einen Beruf lernen?" Gelernt habe ich dann doch etwas und eines Tages auch mit der Politik angefangen. Da haben viele - und zwar nicht nur Männer - die Augen verdreht und gesagt 'Oh nein, jetzt fangen die Frauen damit auch noch an.' Und auch heute noch muss man als Frau ganz anders darum kämpfen als die Männer Gehör zu finden.

Elke Protzmann: Bei mir war es ähnlich. Ich habe es meiner Stiefmutter zu verdanken, dass ich einen Beruf lernen durfte. Zur Politik kam ich - typisch weiblich - durch die Kindergartenöffnungszeiten. Der Kindergarten machte erst um halb 9 Uhr auf. Da ging ich zum ersten Mal auf die Barrikaden und merkte, dass ich etwas bewirken kann. Aber mein Weg zum politischen Mandat war lang. 1984 stand ich zum ersten Mal auf der Liste, wurde aber nicht gewählt. Na gut, dachte ich, dann beim nächsten Mal. Gerade wir Frauen müssen hartnäckig sein und dürfen uns von solchen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Da braucht man einen langen Atem.

Christine Lochner: ... und gerade hier in der Gegend Wurzeln vor Ort. Ich war so naiv am Anfang. Ich zog mit Kind und Mann wegen dessen Arbeitsstelle nach Grub am Forst und wollte mich dann hier in der Politik engagieren. Aber die Leute waren alle total verschreckt. Was will die denn hier? Eine Neubürgerin und noch dazu aus der Stadt? Wenn du da mitmachen und akzeptiert werden willst, musst du total aus dir herausgehen, immer wieder Kompetenz und vor allem Durchhaltevermögen beweisen. Das ist nicht immer leicht.

 

Wie kommt eine Frau in dieser Männerwelt Kommunalpolitik zurecht?

Sabine Marr: Um das zu erleichtern, hat die SPD ja seinerzeit die Quote eingeführt. Das Signal war: Wir haben kompetente Frauen und die sollen auch zum Zug kommen, ohne sich durch diesen zweifellos bestehenden Männerklüngel durcharbeiten zu müssen. Das Problem ist, dass erwartet wird, dass du innerhalb der Partei aktiv bist und außerhalb auch; dass du dein Mandat ausfüllst und auch noch in jedem Verein vor Ort präsent und aktiv bist. Das geht halt nicht. Also kannst du niemals glaubwürdig sein, weil du diesem Bild gar nicht gerecht werden kannst. Deshalb habe ich beschlossen, ich lasse die Vereine weg. Wir müssen viel öfter nein sagen lernen. Deshalb bin ich stolz darauf, noch nie einen Kuchen für eine Veranstaltung gebacken zu haben.

Protzmann: Ich auch nicht. Trotzdem bin ich in 32 Vereinen Mitglied und lasse mich da auch immer wieder gern sehen. Natürlich nicht überall. Halt da, wo ich vor meinen Ämtern auch schon präsent war. Sonst heißt es ja gleich: 'Aha, jetzt kommt sie daher'. Mir passiert eher das Gegenteil. Neulich hatten wir in Neustadt "Ramadama", da sagten viele zu mir: 'Du musst da fei nicht mitmachen', aber ich sagte: doch, natürlich. Ich kann auch einen blauen Sack in die Hand nehmen.

Trotzdem hat man es als Frau schwerer als als Mann. Ich habe zum Beispiel früher den Fehler gemacht, dass ich nach den Sitzungen immer gleich nach Hause gegangen bin. Da verpasst man aber viele interessante Gespräche. Also ging ich mit, ging aber als Erste wieder heim. Das war auch ein Fehler, denn dann reden sie über dich. Heute bleib´ ich immer bis zum Schluss. Aber das geht halt erst, seit meine Kinder größer sind.

Mönch: Eben. Das ganze Dazugehören und Dabeibleiben bis spät in die Nacht können Männer viel leichter. Aber das geht halt nicht bei drei bis vier Sitzungen pro Woche, wenn du morgens um 5 Uhr auf der Matte stehen, den Kindern mit dem ganzen Drumrum, einem Haushalt und auch noch einer Berufstätigkeit gerecht werden musst und willst.

Marr: Genau. Bügeln, Putzen, Kochen, Hausaufgaben, Elternabende, Kinderarzttermine und und und, das machen die Männer in der Politik nämlich alles nicht, wir Frauen aber zusätzlich. Ist doch kein Wunder, dass ein politisches Mandat keine attraktive Perspektive für fähige Frauen ist.

Lochner: Ich als Greenhorn wurde tatsächlich mal auf einer Veranstaltung auf die Probe gestellt. Da wurde geguckt, was verträgt die denn? Ich hatte eine richtige Biertaufe. Ist ja irgendwie auch verständlich. Ich war die Fremde und mischte mich ein. Da darf man sich nicht einschüchtern lassen, muss sich nachhaltig artikulieren und kommunikativ sein. Außerdem will ich ja nicht gewählt werden, weil ich eine Frau bin, sondern aufgrund meiner Leistung. Ich selbst wähle ja auch keine Frau, nur weil sie eine Frau ist.

Marr: Ich auch nicht. Ich wähle eine Person, der ich etwas zutraue und die ich für glaubwürdig halte. Und dazu gehört für mich auch, dass ich Kritik üben und eine andere Meinung vertreten darf als die Mehrheit. Und genau in diesem Punkt haben wir Frauen es besonders schwer. Wenn ich sachliche Kritik übe, wird nicht hinterfragt, was ich sage, sondern sofort unterstellt, ich habe ein Problem mit dem Menschen, dessen Ansichten ich kritisiert habe. 'Zicke', heißt es dann. Der Inhalt wird überhaupt nicht wahr genommen.

Protzmann: Das stört mich auch sehr. Im Landkreis Coburg laufen echt genug männliche Mandatsträger rum, die ganz offensichtlich nicht miteinander können. Aber Zicken sind immer nur wir Frauen.

Mönch: Und im Gegenzug müssen wir immer viel mehr Fachkompetenz beweisen als die Männer. Als ich das erste Mal in den Gemeinderat gewählt wurde, waren fast alle Begriffe für mich böhmische Dörfer. Dann muss ich das halt lernen, dachte ich, las und fragte und besuchte Seminare, bis mir zahlreiche Flurnummern, Haushaltsposten und kommunalpolitische Entscheidungswege und Verfahrensweisen vertraut waren. Je mehr ich wusste desto mehr merkte ich, dass ich besser vorbereitet war als viele Männer, die da schon seit Jahren saßen. Das fällt mir heute noch in jeder Kreistagssitzung auf. Die Frauen sind immer als erste da, sie gehen nicht mittendrin und lesen während der Sitzung keine Zeitung.

Protzmann: Und eine Frau käme nie auf die Idee nach etwas zu fragen, was in der Tischvorlage steht. Die hat sie nämlich vorher gelesen.

Gibt es so etwas wie weibliche Akzente in der Kommunalpolitik?

Marr: Ich glaube, ja. Frauen verändern das Raumklima. Da wird auf einmal freundlicher miteinander umgegangen, oft ändert sich der raue Umgangston. Wir klopfen nicht nur zur Begrüßung auf den Tisch. Da wird einander die Hand gereicht, da wird sich auch einmal umarmt. Das Klima wird menschlicher.

Lochner: Ich finde es schlimm, wenn politisch engagierte Frauen gleich auf bestimmte Themen festgelegt werden: Familie, Senioren, Soziales. Ich bin Bankkauffrau. Aber politisch bin ich für die meisten zunächst Frau, also werden Frauenthemen von mir erwartet. Die Besetzung der Ausschüsse - oder auch der Bundesministerien - spricht da oft Bände. Dabei repräsentieren wir Frauen als Ehefrau, Mutter und Berufstätige doch in idealer Weise Querschnittspolitik.

Protzmann: Ich bearbeite diese sozialen Themen mit Begeisterung. Aber das heißt noch lange nicht, dass mich Bauleitplanung oder Stadtentwicklung nicht interessiert.

Mönch: Ich mache schon immer Seniorenarbeit und finde das nicht schädlich. Im Gegenteil, gerade auf dem Land ist das aktuelle Problem der Vereinsamung und der Betreuung älterer Menschen ein hoch aktuelles Thema. Das hätte vor 15 Jahren noch kein Mensch gedacht.

Marr: Bei Frauen wird viel öfter nach der Qualifikation gefragt als bei Männern. Wenn einer Bauer ist, ist das noch lange kein Hindernis für den Finanzausschuss. Aber eine Hausfrau? Frauen wird weniger zugetraut. Wir müssen uns viel öfter beweisen.

Protzmann: Noch dazu, wenn wir wegen der Kinder ein paar Jahre lang aus dem Beruf draußen waren.

Was reizt Sie in der Kommunalpolitik?

Mönch: Also ich bin süchtig danach. Auch noch nach so vielen Jahren. Wenn Probleme auftauchen, wenn Bürger auf mich zukommen, kann ich mich da reinknieen und richtig Berge versetzen. Auch wenn ich natürlich zugeben muss, dass ich einige Illusionen verloren habe. Ich bin in vielem bescheiden geworden.

Marr: Ich bin Sozialpädagogin von Beruf. Wer diesen Beruf hat, der muss politisch sein. Da bekommst du soviel mit über Jugendliche und ihre Zukunftsperspektiven, über Familien, über den Arbeitsmarkt, da fragst du dich eines Tages zwangsläufig: Was kannst du bewegen? Auch wenn es manchmal frustrierend ist: Auch nach drei Perioden im Kreistag werde ich wieder kandidieren. Und wenn es nur ist, dass du die einzige bist, die nein sagt; die einzige, die dem Bürger demonstriert: Es gibt auch Leute, die anderer Ansicht sind. Es gibt viel zu viele Ja-Sager und Abwickler.

Protzmann: Mir macht Politik auch heute noch Spaß, auch wenn ich nach der vor kurzem verlorenen OB-Wahl in Neustadt schon einen Tiefpunkt hatte. Und zwar nicht wegen des Ergebnisses. Das sind die Spielregeln der Demokratie, dass Wahlen auch verloren werden. Nein, es geht um die vielen Watschen, die ich danach einstecken musste, die Häme auch aus den eigenen Reihen. Aber solche Tiefpunkte werden immer wieder kommen. Das war ja auch nicht der erste für mich. Aber wenn wir alle resignieren, wer sitzt denn dann noch in politischen Gremien? Frauen gewiss nicht. Und das wäre schade.

Lochner: Ich kandidiere ja nun zum ersten Mal. Ich bin den Weg durch die Parteiinstanzen gegangen. Ich bin Kreisvorsitzende der Frauenunion, und jetzt will ich auch das Mandat. Ich will nicht immer nur sagen "Das gefällt mir nicht" und nicht immer nur kritisieren. Ich will mitgestalten und meine Gedanken einbringen. Deshalb bin ich einer Partei beigetreten, und deshalb engagiere ich mich.

INTERVIEW: CHRISTA BURKHARDT


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